Yayoi Kusama – Bilder einer Ausstellung

Museum Ludwig, Köln

Ausgerechnet heute habe ich Tickets für’s Museum. Der Himmel über Wuppertal ist endlich mal wieder leuchtend blau, zwischen den Bäumen steigt dichter Dunst auf, der stört aber nicht. Bereits um 7:30 Uhr verlasse ich das Haus um rechtzeitig zur Öffnung um 10 Uhr im Museum Ludwig in Köln zu sein. Ich bin mit der Bahn unterwegs und da weißt Du nie, wann Du tatsächlich ankommst. Ich habe vor 10 Tagen eine Eintrittskarte für die Ausstellung der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama erstanden – es war der erste freie Zeitslot den ich buchen konnte. Einfach spontan hinfahren ist nicht drin, der Andrang ist zu groß. 82.000 Besucher:innen haben in den ersten drei Wochen die Ausstellung gesehen – das ist sensationell.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Meine Züge sind beinahe pünktlich, so dass ich noch eine Runde über den Domplatz drehen kann, bevor das Museum öffnet. Doch, oh weh, der Dom ist weg. Kaiser Wilhelm II sitzt hoch zu Ross vor mir, aber der Dom, der Dom ist weg!

Kaiser Wilhelm II

Auch das andere Rheinufer ist weg. Die Hohenzollernbrücke ist klar an ihren Liebes-Schlössern zu erkennen, aber das andere Ufer? Fehlanzeige. Alles ist eingenebelt. Vielleicht ist dieser Tag doch gut geeignet für einen Museumsbesuch.

Hohenzollernbrücke

Das Museum Ludwig liegt direkt am Hauptbahnhof/Dom. Noch dauert es 20 Minuten bis zur Öffnung und doch hat sich schon vor den Türen eine Warteschlange aus geduldig in Zweierreihen verharrenden Besuchswilligen gebildet. Zwei Schulklassen formieren sich ebenfalls. Ob die alle schon ihre Tickets haben?

Eingang Museum Ludwig vor 10 Uhr

Endlich Einlass. Erst Mal etwas Kaffee wegbringen, ich bin schließlich seit mehr als zwei Stunden unterwegs. Dann stelle ich mich in die Warteschlange der Menschen mit online-Tickets, mit denen man direkt in die Ausstellung marschieren kann. Ein Plakat wirbt: „Ist die online-Ticket-Schlange zu lang? Scannen Sie unseren Audioguide.“ Gute Idee. Carpe diem. Bildung kann nicht schaden. Kostenpunkt: Drei Euro. Och nö. Dann doch nicht. Ganz unvorbereitet bin ich schließlich nicht, in Wikipedia steht einiges und diverse Medien haben bereits über diese Ausstellung berichtet.

Endlich in der Ausstellung. Etliche Menschen stehen zwischen spiegelnden Edelstahlkugeln mit einer Videoinstallation wie Yayoi Kusama mit breitem Band in einem Park Bäume umgarnt. Fast jede/r Besucher:in fotografiert oder filmt. Das nervt. Da hilft nur eins:

Eingang zur Ausstellung Yayoi Kusama

Ich beglückwünsche mich für meinen Entschluss meine Kamera mitzunehmen und fange ebenfalls an, Fotos zu machen. Mit der Kamera in der Hand tauche ich ein in die Kunst dieser außergewöhnlichen Japanerin.

Yayoi Kusama ist Jahrgang 1929 und leidet seit ihrer Kindheit an Halluzinationen. Sie sieht auch mit beinahe 100 Jahren Punkt- und Netzmuster und gerade diese wurden zu einem bedeutenden Bestandteil ihrer Kunst.

In Wikipedia lese ich ein Zitat dazu: „Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“ Das erklärt wohl auch diese Installation eines Appartements.

Yayoi Kusama

Hier dürfen sich Besucher:innen nur 45 Sekunden aufhalten (damit alle mal schauen können), aber ich möchte schon nach 10 Sekunden wieder raus. Mir wird schwindelig.

Auch ihre Malerei ist entsprechend. Es sind klare Farben und Muster die unendlich scheinen. Doch lange anschauen kann ich sie nicht.

Creation, 1988, Acryl auf Leinwand, Yayoi Kusama

Yayoi Kusama zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Soft Sculpture. Bei diesen Skulpturen werden weiche Materialien wie zum Beispiel Stoff, Papier oder Plastik verwendet, die dann mit Luft oder anderem Füllstoff bestückt werden. Eine solche Skulptur füllt einen ganzen Raum in dieser Ausstellung. Sie ist begehbar und erlebbar. Das Muster setzt sich auf dem Boden und den Wänden fort.

So etwas habe ich noch nie gesehen. Irre. Aber die schwarz-gelben Muster machen mein Hirn nervös. Alarmstufe rot wird ausgerufen: Mir wird schwindelig. Ich muss raus.

Neben dieser Riesenskulptur gibt es auch zahlreiche Malerein und poetische Texte der Künstlerin. Das macht mich wieder ruhiger.

Dann ist da der Raum mit den Kürbissen. Die Künstlerin schreibt dazu: „Kürbisse sind liebenswert und ihre wunderbar wilde und humorvolle Ausstrahlung berührt immer wieder die Herzen der Menschen. Ich liebe Kürbisse. … Kürbisse bringen poetischen Frieden in meinen Geist. Kürbisse sprechen zu mir. … Sie strahlen eine Aura meiner heiligen geistigen Verfassung aus und verkörpern eine Grundlage für die Freude am Leben, ein Leben, das alle Menschen auf der Erde teilen. Es sind die Kürbisse, die mich weitermachen lassen.“

Mein persönliches Fazit: Eine faszinierende, außergewöhnliche, spannende und in jedem Fall sehenswerte Ausstellung! Sonst hätte ich gewiss nicht so viele Fotos gemacht. Aber hat mir die Kunst gefallen? Eher nicht. Aber das ist ja Geschmackssache. Auf der Dachterrasse stehen noch drei Blumenskulpturen von Yayoi Kusama – die sehen klasse aus – obwohl auch sie gepunktet sind. Der Dom ist auch wieder da.

Blumen, Yayoi Kusama