Der South Luangwa Nationalpark

„Da steht ein Elefant“, sagt mein Mann mit erstaunter Stimme. Wir sitzen auf dem Balkon unseres Chalets am Rand des South Luangwa Nationalparks und blicken auf den träge dahinfließenden Luangwa River. Im Wasser grunzt schläfrig eine Familie Flusspferde; ein Prachtexemplar von Nilkrokodil liegt auf einer Sandbank unterhalb des Steilufers; auf einem abgestorbenen Baum sitzt ein Schreiseeadler; im trockenen sandigen Teil des Flussbetts schreitet ein großer Reiher; einen Elefanten sehe ich jedoch nicht.

„Wo denn??“ „Na, nebenan“. Direkt neben unserem Häuschen – keine 10 Meter entfernt! Der graue Riese betätigt sich gerade als Gärtner. Hier und da umschlingt er mit seinem Rüssel ein Grasbüschel, zieht und tritt gleichzeitig mit einem Vorderfuß gegen die Pflanze. Sie löst sich aus der Erde, die Erde wird sorgfältig abgeschlagen und danach wandert das Gewächs ins Maul. Kauend geht er langsam weiter. Ich greife meine Kamera und nehme die Verfolgung auf – natürlich mit gut 40 Metern Abstand. Jetzt stelle ich fest, dass er eine sie ist und ihre Familienmitglieder mitgebracht hat, darunter ein paar halbwüchsige Kälber. Die Tiere gehen gemächlich Richtung Swimming-Pool. Der ist eigentlich für uns Gäste gedacht, und liegt erhöht auf einer Plattform, aber die Wasserzufuhr wird von allen Elefanten ausgiebig zum Trinken genutzt. Als sie fertig sind verschwinden sie wieder im Busch.

Wir sind im Track & Trail River Camp. Der Manager hatte darauf hingewiesen, dass hin und wieder Wildtiere durch den weitläufigen Garten laufen. Ich hatte mit Pavianen und Grünen Meerkatzen gerechnet, aber doch nicht mit ausgewachsenen Elefanten! Da die Tiere auch und gerade nachts durch den Garten laufen, dürfen wir bei Dunkelheit nur in Begleitung von unserer Behausung zum Restaurant und zurückgehen. Jedes der aus Holz gebauten komfortablen Häuschen (Chalets genannt) ist mit einer großen tragbaren Lampe ausgestattet mit der wir Lichtsignale Richtung Restaurant geben, wenn wir das Haus verlassen möchten. Dann holt uns ein mit einer Lampe bewaffneter Bediensteter ab. Dass diese Vorsichtsmaßnahme sinnvoll ist, erfahren wir gleich am ersten Abend: Wir wären – unbedarfte Stadtmenschen wie wir sind – in der Dämmerung fast über ein Flusspferd gestolpert, das dunkel wie die Nacht auf dem Weg zu seinen Weidegründen ist. Es ist ein freundliches Flusspferd, das an Menschen gewöhnt ist, aber dennoch sollten wir es nicht erschrecken – fühlt sich das Tier bedroht ist Angriff seine Verteidigung. In diesem Fall zögen wir den Kürzeren. Die massig, behäbig wirkenden Tiere übertreffen an Land mit 30 km/h die Geschwindigkeit von Menschen leicht. Die meisten schlimmen Unfälle in Nationalparks passieren nicht mit Elefanten oder Raubtieren, sondern mit Flusspferden.

Flusspferd

Der Luangwa weist die weltweit größte Population an Flusspferden auf. Das Flusspferd (Hippopotamus amphibius) oder kurz Hippo genannt, ist nach Elefant und Nashorn das drittgrößte Landsäugetier. Sie leben in Flüssen, Seen und Mangrovensümpfen in Gruppen von bis zu 30 Weibchen und Jungtieren. Tagsüber bleiben sie im Wasser und dösen vor sich hin. Meist verlassen sie erst in der Dämmerung das kühlende Nass, um an Land Gras zu fressen. Sie sind reine Vegetarier und können bis zu 68 Kilo Gras in nur einer Nacht vertilgen.

Fünf Uhr am nächsten Morgen. Unsere Nacht ist vorbei. Früher als zu Hause. Es gibt einen schnellen Kaffee, ein Schälchen Müsli und ein paar Kekse, danach klettern wir zu fünft in den lodgeeigenen offenen Safariwagen. Überall liegen Bohnensäcke zum Auflegen der Kamera. Hier ist man auf Fotografen eingestellt. Noch ist es kühl auf dem offenen Fahrzeug, ich ziehe meinen leichten Fleecepulli über. Um sechs Uhr geht die Sonne auf und damit der große Heizstrahler an. Auf dem kurzen Weg zum Eingangstor des Nationalparks geraten wir in einen Stau: Eine Elefantenfamilie blockiert die Straße; sie frühstücken gerade ein paar Äste im Vorbeigehen. Tiere haben hier Vorfahrt. So beginnt unsere erste Fotosession bereits vor dem Nationalpark.

Elefanten am Eingang zum South Luangwa Nationalpark
Elefanten am Eingang zum South Luangwa Nationalpark

Nachdem wir uns am Eingang zum Nationalpark gemeldet und die Gebühr von 25,- USD / Kopf bezahlt haben, steigen Kelvin und Vic zu uns ins Fahrzeug. Kelvin ist für unsere Sicherheit zuständig. Er ist mit einem Gewehr und vier Kugeln Schreckschussmunition ausgestattet. Geschossen wird nur im Notfall und nur um zu Vertreiben nicht um zu Töten. Vic besitzt die Lizenz so genannte Walkingsafaris durchzuführen. Genau das möchten wir heute Morgen machen. Normalerweise darf das Safarifahrzeug nicht verlassen werden, es sei denn man hat einen speziell ausgebildeten Guide wie Vic dabei. Gleich hinter dem Eingang wartet der nächste Stau, dieses Mal sind es Safarifahrzeuge. Eine Löwenfamilie liegt schlafend und dösend direkt am Wegrand. Jedes Fahrzeug darf mal ganz nah dran fahren, nach längstens fünf Minuten wird Platz gemacht für den nächsten voll besetzten Touristenwagen. Alle haben ihre Kameras schussbereit.

Löwin vor Auto
Löwin vor Auto

Wir suchen eine weniger von Touristen frequentiere Region und fahren in ein spärlich bewaldetes trockenes Gebiet – offene Buschsavanne. Sehr übersichtlich. Elefanten sind sicher gut zu sehen, denke ich, aber einen schlafenden Löwen würde ich wohl erst bemerken, wenn ich direkt davorstehe. So marschieren wir wie Gänse und Elefanten: Schön in einer Reihe, Vic vorweg und der mit dem Gewehr bewaffnete Kelvin bildet den Schluss.

Die im South Luangwa Nationalpark vorherrschenden Bäume sind Mopane (Colophospermum mopane). Besonders die markanten schmetterlingsförmigen Blätter verströmen bei Verletzungen einen Terpentingeruch.

Welkes Blatt eines Mopane-Baumes
Welkes Blatt eines Mopane-Baumes

In dieser Region sind die meisten Mopane-Bäume jedoch abgestorben. Elefanten haben ihre Rinde verspeist. Die Menschen hatten mit einem dicken Stahlseil versucht ihren Mopanewald zu sichern, leider erfolglos. Die hungrigen Elefanten rissen das Seil nieder. Der Mopane ist nicht nur bei Elefanten beliebt, sondern auch bei dem Mopane-Wurm. Der Mopane-Wurm ist kein Wurm im eigentlichen Sinn, es handelt sich um die Raupe des Imbrasia belina – eines Nachtfalters. Diese proteinreiche Raupe ist eine geschätzte Delikatesse für die Menschen – sie wird getrocknet, geröstet und gegessen. Außerdem ernährt der Baum die Wilde Seidenmotte. Aus ihren gesponnenen Kokons wird Wildseide gewonnen.

Landschaft, South Luangwa NP
Landschaft, South Luangwa NP

In den 1930er Jahren gab es reichlich Elefanten im Luangwatal; gegen Ende der Regenzeit plünderten hauptsächlich Bullen die reifen Getreidefelder der armen Bauern. Gegen sie wurden offizielle Elefantenjäger eingesetzt, die es hauptsächlich auf Bullen abgesehen hatten. Um 1950 kamen Trophäenjagd und Wilderei hinzu. Wilderern fallen häufig alte erfahrene Tiere beiderlei Geschlechts wegen ihrer langen Stoßzähne zum Opfer. Für das Überleben einer Herde sind aber gerade die älteren Tiere wichtig, da sie ihr Wissen um die Wasser- und Futterstellen während der Trockenzeit an jüngere weitergeben. Während 1975 noch etwa 90000 Elefanten gezählt wurden, waren es 2010 nur noch etwa 18000. Die anderen wurden niedergemetzelt. Während sich der Bestand an Elefanten langsam erholt, kam für die Nashörner des Luangwatals jede Unter-Schutz-Stellung zu spät. Sie sind tot. Alle. Gestorben für chinesische Potenzmittel.

Elefant, South Luangwa Nationalpark
Elefantenkuh, South Luangwa Nationalpark

Schwarzfersenantilopen, (Aepyceros melampus) auch Impalas genannt, hingegen gibt es noch zahlreich. Eine Gruppe von halbstarken Junggesellen äst unter einem Leberwurstbaum (Kigelia africana). Eine Etage höher, in der Baumkrone, turnen einige Meerkatzen. Die Meerkatzen laben sich am Nektar aus den Blüten und lassen diese danach einfach fallen. Darauf warten Impalas. Für sie sind die großen roten Blüten ein Leckerbissen. Im Anschluss an die Impalas kommt eine Gruppe junger Pukus; sie sind genauso an den Blüten interessiert, obwohl sie Gras bevorzugen. Pukus kommen in den sambischen Steppen noch häufig vor, allerdings wurden sie von der IUCN als potenziell gefährdet (near threatened) eingestuft.

Puku, South Luangwa Nationalpark
Puku, South Luangwa Nationalpark

Jetzt, im September, ist die heiße trockenste Zeit, es gibt nur wenige grüne Pflanzen. Das Gras ist verdorrt, die meisten Bäume haben ihre Blätter abgeworfen. Nur an wenigen Stellen gibt es Wasser. Regenzeit ist von November bis April. Dann grünt und blüht es hier. Es ist die Zeit für Pflanzenliebhaber; Tiere sind im üppigen Grün schwerer auszumachen.

Landschaft, South Luangwa Nationalpark
Landschaft, South Luangwa Nationalpark

Eine Stunde laufen durch die ausgedorrte Landschaft. Diese Landschaft ist das Habitat der Zebras. Eine kleine Herde Zebras kommt relativ nah. Es sind Crawshay-Zebras (Equus quagga crawshayi), eine Unterart des Steppenzebras. Zebras gehören zur Familie der Pferde, aber anders als Pferde wurden sie nie domestiziert. Dabei hat es durchaus viele Versuche gegeben, doch die Tiere blieben scheu und vor allem bissig. Zebras sehen besser als Pferde und sind auch für erfahrene Cowboys schwer einzufangen, weil sie sich unter dem Seil wegducken.

Crawshay-Zebras, South Luangwa Nationalpark
Crawshay-Zebras, South Luangwa Nationalpark

Zebras kommen nur in Afrika vor. Wie kamen sie zu diesem Namen? Durch portugiesische Seefahrer. Als die Seefahrer Ende des 15. Jhs zum ersten Mal Zebras sahen, dachten sie an die Wildpferde ihrer Heimat. Die dortigen Wildpferde haben ebenfalls schwarze Streifen und werden Zebros genannt.

Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark
Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark

Das Steppenzebra ist weit verbreitet im östlichen und südlichen Afrika. Allerdings gehen seine Bestände auf Grund von Jagd nach Fleisch und Häuten zurück. Das Steppenzebra wird in sechs Unterarten eingeteilt, davon ist das Crawshay-Zebra (Equus quagga crawshayi) im South Luangwa Nationalpark endemisch. Von allen Steppenzebras haben sie die schmalsten Streifen.

Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark
Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark

Die Anzahl der Streifen variiert je nach Zebraart. Während das Grevyzebra etwa 80 Streifen hat, kommt das Steppenzebra auf nur etwa 30. Über die evolutionäre Entwicklung der Streifenmusterung gibt es mehrere Theorien. Es könnte ein Schutz vor Bremsen und Tsetsefliegen sein. Tsetsefliegen übertragen die Schlafkrankheit, die tödlich sein kann. In Experimenten wurde festgestellt, dass gestreifte Flächen von Bremsen gemieden werden. Möglich ist, dass Bremsen durch die Streifen bei der Landung auf dem Wirt irritiert werden und sie daher einfarbige Flächen vorziehen.

Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark
Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark

Es kann auch sein, dass die Streifen der Thermoregulation dienen, also die Unabhängigkeit der Körpertemperatur des Tieres von der Außenwelt. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich die schwarzen Streifen 12-15°C höher aufheizen als die weißen Streifen. Durch diese Temperaturunterschiede entstehen lokal chaotische Luftwirbel. „Da Zebras wie Pferde [über die Haut] schwitzen, erhöht sich wahrscheinlich die Wärmeableitung durch Verdunstung des Oberflächenwassers. Der Prozess kann zusätzlich dadurch gesteuert werden, dass die Haare der schwarzen Streifen aufrichtbar sind, die der weißen jedoch nicht.“ (Wikipedia). Vielleicht dient das Streifenmuster auch als Identifizierungsmerkmal der Tiere untereinander.

Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark
Crawshay-Zebra, South Luangwa Nationalpark

Dann stolpern wir über ein Skelett. Eine Giraffe ist hier verendet oder wurde gerissen, „doch das ist lange her“, erzählt uns Vic.

Giraffenschädel
Giraffenschädel

Wohlbehalten zurück beim Auto gibt es erst mal Kaffee und Heidelbeerrührkuchen. Lecker. Danach machen wir uns mit dem Fahrzeug auf den Rückweg.

Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark
Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark

Wir treffen auf eine Gruppe Giraffen – die höchsten Säugetiere der Welt. Bullen können bis zu sechs Meter hoch werden, die Kühe bringen es auf bis zu 4,5 Meter. Sie können eine Spitzengeschwindigkeit von 55 km/h erreichen, allerdings nur auf festem Boden, sumpfige Gegenden sind für Giraffen nicht geeignet.

Obwohl der Hals außergewöhnlich lang ist besteht er nur aus sieben stark verlängerten Halswirbeln. Warum hat eine Giraffe einen solch langen Hals? Mittlerweile gehen Wissenschaftler davon aus, dass dies in erster Linie für die Männchen von Vorteil ist. Treffen zwei Bullen in der Paarungszeit aufeinander, schlagen sie mit dem Kopf gegen den Hals des Gegners. So ein Kampf kann durchaus sehr aggressiv sein und mit der Bewusstlosigkeit des Konkurrenten enden. Ein langer Hals ist also für die Fortpflanzung von Vorteil, denn nur der stärkere paart sich mit seinem Wunschweibchen.

Die Zunge ist ebenfalls mit 50 Zentimetern beeindruckend lang. Mit der Zungenspitze greift die Giraffe Blätter auch von stacheligen Ästen; ihre bevorzugten Nahrungspflanzen sind dornige Akazien. Damit die Zungenspitze in der afrikanischen Gluthitze nicht verbrennt, ist sie im vorderen Teil stark pigmentiert. Das schützt vor Sonnenbrand.

Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark
Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark
Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark
Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark

Die Fellflecken dienen wahrscheinlich der Tarnung und – ähnlich wie bei den Zebras – zur Regulierung der Körpertemperatur. Außerdem wurde festgestellt, dass sich die dunklen Flecken im Laufe des Lebens verändern. Sie werden dunkler. Aber nur bei dominanten, selbstbewussten Einzelgängern, bei gleichalten Tieren, die häufig im Verband unterwegs sind, bleiben sie heller. Die Fellfarbe gibt also Aufschluss über den sozialen Status des Tieres.

Hörner tragen beide Geschlechter. Giraffen sind heute nur noch südlich der Sahara verbreitet; die Bestände nördlich wurden bereits im frühen Altertum ausgerottet. Giraffen sind heute von der IUCN als gefährdet (vulnerable) eingestuft. Mir war das überhaupt nicht bewusst. Das liegt vielleicht daran, dass Giraffen sehr häufig in Zoologischen Gärten zu finden sind. Im gesamten Verbreitungsgebiet gibt es noch etwa 68.300 adulte Individuen. Sie werden in neun Unterarten unterschieden, die sich deutlich in ihrer Fellzeichnung unterscheiden.

Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark
Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark

Die Giraffen im South Luangwa Nationalpark sind Thornicroft Giraffen. Von ihnen gibt es noch insgesamt etwa 600 Individuen – und alle leben in diesem Nationalpark. Ihre Population ist seit 1973 stabil.

Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark
Thornicroft Giraffe, South Luangwa Nationalpark

Wir kehren mit vielen Eindrücken ins Camp zurück und haben Zeit uns auszuruhen. Die nächste Safari geht erst wieder am Nachmittag los. Für Tierbeobachtungen sind die zwei Stunden nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang die beste Zeit. Angeboten wird auch eine Nachtsafari. Gegen 18 Uhr geht die Sonne unter. Um die Tiere nicht zu sehr zu stören, müssen alle Fahrzeuge den Nationalpark spätestens um 20 Uhr verlassen haben. Klingt gut. Denke ich. Wir fahren los. Doch wir sind nicht allein. Alle verfügbaren Fahrzeuge aus den umliegenden Camps und Lodges sind unterwegs. Es ist staubig. Ich ziehe meinen Buff vor die Nase. Dann kommt die Meldung, dass ein Leopard gesichtet wurde. Alle starten sofort durch und fahren hektisch mit Vollgas in dieselbe Richtung. Ein Baum, ein Leopard, eine tote Impala – und 15 Fahrzeuge mit Scheinwerfern drum herum. Alle Strahler sind auf die Raubkatze mit ihrer Beute gerichtet. Der Leopard lässt seinen Riss liegen und flüchtet in den Busch. Ist das gut und richtig?? Nur damit der gemeine Tourist mit dem Foto eines Leoparden nach Hause fahren kann? Nein! Eine Nachtsafari kommt für mich nicht mehr in Frage! Auch wenn sie nur zwei Stunden dauert, aber es kann nicht gut sein, nachtaktive Tiere mit taghellen Scheinwerfern anzustrahlen.

Vollmond, South Luangwa River
Vollmond, South Luangwa River

Am nächsten Nachmittag bleibe ich im Camp und warte auf die Elefantenfamilie, die pünktlich zum Trinken vorbeischaut. Buschböcke sind auch im Camp unterwegs. Sie halten das Gras kurz, aber sie entfernen sich dabei nie zu weit von Büschen, die bei Gefahr Deckung bieten. Zum Trinken wandern sie hinunter an den Luangwafluss. Sie sind sehr scheu und schreckhaft, nur ein Jungtier wagt sich neugierig an mich heran. Ich bin ein neues, sich nicht bewegendes Objekt auf der Wiese. Da ich sitze bin ich kleiner als das Tier, vielleicht dominiert deswegen die Neugier die Angst.

Buschbock, Track & Trails Camp
Buschbock, Track & Trails Camp

Als ich mir zur Reisevorbereitung in Open-Street-Map die Karte des South Luangwa Nationalparks anschaute, war ich entsetzt wie viele Unterkünfte es dort gibt. Doch vor Ort fallen diese vielen Camps kaum auf. Sie liegen weitläufig verteilt in oder am Rande des 9050 km² großen Nationalparks. In der Regenzeit sind weite Teile überflutet und können nicht besucht werden. Der Fluss bringt jedoch fruchtbaren Schlamm mit sich, der nach Ablaufen des Wassers im April/Mai die Vegetation üppig zum Sprießen bringt. In der Trockenzeit schrumpft der Fluss auf Wupperbreite. Da alle Tiere trinken müssen, herrscht in der Nähe des Flusses eine enorm hohe Konzentration an Wildtieren – fast wie in einem Safaripark. Der South Luangwa Nationalpark ist gut über den Flughafen von Mfuwe zu erreichen oder von Lusaka in acht bis zehn Stunden mit dem Auto.