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Allgemeine Reiseinformationen für Reisen nach
Peru Cordillera Blanca / Rio Santa Tal

Chavin de Huantar

Chavín de Huántar
110 km von Huaraz entfernt liegt Chavín de Huántar (Fahrzeit ca. 2,5 Std.). Die Ausgrabungsstätte liegt in einer Höhe von 3.200 m. Der Komplex in Form einer Tempelburg gilt als das älteste Steinbauwerk Perus, die Bauanfänge werden um 1000 v. Chr. datiert. Was wir heute sehen stammt vermutlich aus dem 2. Jh v.Chr.

Die Anlage gliedert sich in drei Hauptbezirke: Eine rechteckige Esplanade, in die ein quadratischer Zeremonialplatz eingelassen ist; den darüber sich erhebenden Alten Tempel, der zangenförmig einen versenkten runden Hof umschließt; und den Neuen Tempel welcher sich südlich unmittelbar anschließt und unter dem vergrasten Erddach mit dem alten Tempel verwachsen scheint. Die gesamte Anlage, vermutlich eine Tempelanlage, ist nach Osten, zur aufgehenden Sonne bzw. zum Urwald hin ausgerichtet.
Der eigentliche Name dieser Kultur ist nicht bekannt, man hat sie einfach nach dem nahen Ort Chavín benannt. Wo die Chavín-Menschen herkamen ist ebenso wenig sicher. In einigen Büchern ist zu lesen sie wären aus dem Amazonasgebiet gekommen. Andere sind der Meinung, dass es ehemalige Küstenbewohner waren, oder dass sie gar aus Mesoamerika kamen.


Der große Platz war rundherum mit exakt quadratisch behauenen Steinplatten eingefasst von denen einige noch an ihrem Platz befestigt sind. Monumentale Treppen führen rechts und links des Platzes zu den kegelstumpfförmigen Plattformen hoch, die den Hauptplatz flankieren. In ihnen verbergen sich unterirdische Kammern, die als Opfergabendepots gedient haben könnten. Welcher Art diese Opfergaben waren und ob es auch Menschenopfer hier gegeben hat ist nicht genau bekannt. Aufgrund von gefundener Keramik weiß man, dass die Chavín den Mondkalender kannten, Sonnenwenden feierten und sich mit Astrologie beschäftigten. An der Treppe, die mittig direkt gegenüber dem Aufgang zum Neuen Tempel liegt, gibt es einen Ring, der in die unterste Stufe eingemeißelt wurde. Zur Sommersonnenwende teilt das Sonnenlicht den Platz in zwei gleiche Hälften, hell und dunkel. Der Ring ist dabei der Trennungspunkt. Diese Dualität findet sich überall in Chavín. Die Treppen z.B. sind aus zwei unterschiedlichen Materialien gebaut, die eine Hälfte aus hellem Sandstein und die andere Hälfte aus schwarzem Granit.
Am Neuen Tempel bzw. dem überbauten alten Tempel gibt es an einer Stufe zwei schlangenartige Wesen. Die Form des Kopfes gleicht der eines Jaguar, der Zahn ist der eines Kaiman, das Auge das einer Harpyie und der Körper der einer Schlange. Im Mittelpunkt der kultischen Verehrung standen vermenschlichte Tiergottheiten wie Jaguar, Kaiman, Schlange und Harpyie. Die mächtige Raubkatze, der nahezu unbesiegbare Jaguar war Gottessymbol oder Götterbote, die Harpyie war das Symbol der Herrschaft über den Himmel und der Kaiman über das Wasser.
Die zylindrischen Säulen am Aufgang zum Neuen Tempel sind von oben bis unten mit Reliefs verziert und tragen als Sturz einen schweren Granitmonolithen. Dieser massive Bau des Neuen Tempels besteht aus großen Steinen und dazwischen immer wieder Lagen von kleinen Steinen. Das erhöht die Erdbebensicherheit. Noch dazu ist die Mauer um 7° geneigt. So hat sie gut 2000 Jahre standgehalten, erst durch die gewaltige Schlammlawine 1945 wurde der Tempel verschüttet.
Auf dem kreisrunden, abgesenkten heiligen Platz der vom alten Tempel eingerahmt wird und wahrscheinlich für kultische Zeremonien bestimmt war, stand ursprünglich der 2,5 m hohe Tello-Obelisk. Er wurde nach seinem Entdecker Juan Tello benannt. Heute kann er im Archäologischen Museum in Lima besichtigt werden. Vielleicht haben die Chavín-Menschen im Tello-Obelisken die Weltachse gesehen, vielleicht war es der Schattenstab einer großen Sonnenuhr.
Von Platz des Tello-Obelisken betritt man das gigantische Labyrinth im Inneren des alten Tempels. Dieses verwinkelte unterirdische Gangsystem besteht aus einem mehrstöckigen Netz aus Korridoren, Treppen, Kammern, Nischenreihen und Kanälen durch die Frischluft einströmt. Die Priesterschaft hat vermutlich in diesem Labyrinth gelebt. Bei Zeremonien haben die Priester sicher auch Befehle durch die meterlangen Schächte gebrüllt, die für den wallfahrenden Bauern magisch aus der Tiefe der Erde hinauf drangen. Magischer Höhepunkt dieser Reise in die Unterwelt ist der Blick auf den 4,53 m hohen Lanzón. Er steht noch im Original im Labyrinth des alten Tempels. Ursprünglich sollte auch der Lanzón ins Museum nach Lima gebracht werden, doch gerade als eine Delegation aus der Hauptstadt den Ort besichtigte ereignete sich die Katastrophe mit der Schlammlawine. Ein Mann kam dabei ums Leben, die anderen konnten gerettet werden. "Die Götter wollten offensichtlich, dass das Original an seinem Platz bleibt", erzählen die Einheimischen.
An der Außenwand des alten Tempels befindet sich, ähnlich wie am Wari -Tempel in Willkahuain, ein Cabeza Clava . Er scheint zu grinsen, doch die meisten seiner Artgenossen schauen grimmig. Dieser Cabeza Clava ist der einzige an seinem Ort verbliebene, alle anderen sind im Museum. Die Götter tragen furcht erregende Fratzen, weil sie Furcht einflößen sollten. Durch Furcht regierten die Priester-Monarchen von Chavín das Volk der Bauern und organisierten die Massen. Nur so konnten überhaupt monumentale Bauwerke wie diese Tempelanlage geschaffen werden. Das Zeremonialzentrum Chavín dürfte etwa 800 Jahre lang ein bedeutender Wallfahrtsort gewesen sein. Dabei reichte seine religiöse Ausstrahlung räumlich und zeitlich über den Chavín-Kulturkreis hinaus. Chavín de Huántar wird oft mit Wallfahrtstätten wie Rom oder Jerusalem gleichgesetzt.
War der Untergang von Chavín auf einen internen Machtkampf zurückzuführen? War der Auslöser ein starkes Erdbeben oder ein Erdrutsch? Was auch immer der Grund für die Aufgabe war, die Völker, die diese Region später bewohnten nutzen für den Bau ihrer Häuser auch die alten Steine des Tempels, der für sie keine Bedeutung mehr hatte. So wird zur Entdeckung der Raimondi-Stele folgende Geschichte erzählt: Der italienische Naturforscher Antonio Raimondi wurde 1873 in Chavín von seiner Gastfamilie zum Essen eingeladen. Die große Familie saß an einem 2 m langen Tisch mit einer glatten Granitplatte. Nach dem Essen wollte sich Raimondi die Finger abwischen. Servietten gab es nicht, seine Hose wollte er nicht benutzen also griff er unter die Tischplatte. Erstaunt stellte er fest, dass sie unten drunter voller Einritzungen war. Er bat seinen Gastgeber die Platte umzudrehen – zum Vorschein kam das Flachrelief in Gestalt einer Tiermaske mit Krallenhänden. Von der Maske und dem Gürtel gehen Schlangenköpfe aus. Heute ist bekannt, dass Schlangen zur Darstellung von Haaren benutzt wurden. In den Krallenhänden hält die Gestalt eine stabartige Konstruktion. Handelt es sich um den Gott Viracocha?
Chavín ist heute Weltkulturerbe der UNESCO. Weitere Informationen : Chavin-Kultur
Huaraz

Huaraz
Huaraz gilt als El-Dorado für Bergsteiger und Bergwanderer. Etliche Reiseunternehmen bieten mehrtägige Treks an wie z. B. den Llanganuco-Santa Cruz Trek, den Olleros-Chavín Trek (mit Lamas) oder die Umrundung des Huasacan. Der Huascarán ist mit 6768 m der höchste Berg Perus. Außerdem werden schöne Tagestouren nach Chavín de Huántar, zu den Puya Raimondi Pflanzen und zum Pastoruri-Gletscher angeboten. Huaraz wurde

1958 von einer riesigen Eislawine und 1970 von einem schweren Erdbeben weitgehend zerstört. Doch das kleine Stadtmuseum bietet einen wunderschönen Skulpturenpark mit etlichen Monolithen und Huacos der Recuay -Kultur. Die Recuay -Kultur hatte ihre Blütezeit etwa 200–600 n.Chr. Vergöttert wurde unter anderem die Raubkatze, Raubvogel und doppelköpfige Schlange.

Laguna Llanganuco
Laguna Llanganuco
Die Laguna Llanganuco liegt im Nationalpark Huascarán, eingerahmt von Huascarán und Huandoy. Zwei Seen liegen hier direkt beieinander, wobei der obere durch die türkisgrüne Farbe beeindruckt. Diese Farbe wird durch Algen hervorgerufen. In einer Höhe von 3.800 m gedeihen Bromelien, Farne, Quenal-Bäume und baum artige Lupinen. Von einigen Nadelbäumen
schält sich die braune Rinde wie Papier ab. Es gibt Alpakas, Bussarde, Pumas, Andekolibris und Andenenten.
Puya Raimondi
Puya Raimondi
Eine eindrucksvolle Ansammlung von Puya Raimondi Pflanzen befinden sich auf dem Weg zum Pastoruri-Gletscher. Die riesigen Puya Raimondi Pflanzen wurden nach dem italienischen Naturforscher Antonio Raimondi benannt. Die Pflanze gehört zu den Ananas-Gewächsen und blüht frühestens mit 25 Jahren, die meisten sind jedoch zwischen 50 und 75 Jahre alt, wenn sie zur
Blüte ansetzen. Wenn es soweit ist, erreicht die Blüte gigantische Ausmaße von Höhen bis zu 10 m. Die Blütezeit ist zwischen Mai und Oktober. Der Blütenstiel besteht aus etwa 8000–10.000 grüngelben Blütenansätzen. Da es in dieser Höhe keine Insekten gibt übernimmt der Andenkolibri die Bestäubung der Blüten. Nach der Blüte stirbt die Pflanze.
Wilkahuain, Wari

Willkahuain (Wari oder Huari-Kultur)
Die aus der Recuay -Kultur entstandene Wari(Huari) -Kultur (bis ca. 1100 n.Chr.) zeigt, welch großartige Leistungen auch in der Monumentalarchitektur hervorgebracht wurden. Willkahuain, ein Tempel der Wari , liegt nur etwa 7 km von Huaraz entfernt. Es gibt in ganz Peru kein präkolumbisches Bauwerk, das bis heute gleichermaßen intakt geblieben ist. Willkahuain ist bautechnisch

sensationell, denn den Tempel krönt ein Satteldach, das aus gewaltigen, glatten Steinplatten gefügt wurde. Innen wie außen wechseln schwere Megalithe aus Zeugen der Recuay -Technik mit kleinformatigen Schieferlagen, die als Wari -Beitrag gewertet werden. Dank dieser elastischen Baumasse erlitt der Tempel bei dem schweren Erdbeben, das ganz Huaraz einstürzen ließ, nur zwei Risse! Bis zu 8 m lange Steinplatten tragen die Last der Gewölbe. Im Inneren des Tempels befinden sich insgesamt 17 leere Kammern. In den Löchern am oberen Rand befanden sich einst sog. cabezas clavas. Heute befinden sich noch zwei cabezas unterhalb des Simses.
Die Hauptstadt der Wari -Kultur lag etwa 25 km nordöstlich von Ayacucho und soll bis zu 100.000 Einwohner gehabt haben. Von hier expandierten die Wari zwischen dem 7. und 10. Jh. an die Küste hinunter und nach Norden bis Lambayeque. Die Wari -Kultur brachte außerdem ein neues Konzept in das städtische Leben, nämlich das von einer hohen Mauer umgebene Zentrum. Das Geld für den Staatshaushalt erhielten die Wari hauptsächlich aus Tributzahlungen unterworfener Kolonien. Etwa im 11. Jh. begann der wirtschaftliche Untergang. Ehemalige Kolonien machten sich wieder selbstständig und gingen ihren eigenen Weg. Die Bevölkerungszahl ging zurück, die Menschen verließen die Städte und zogen zurück in die Dörfer.