Bilbao – blühende Rose im Baskenland

Bilbao. Einst eine reiche aber unattraktive Industriestadt. Als in den 1970er Jahren Stahlkocher und Schiffbauer in Bilbao ihre Tore schlossen, begann ihr Niedergang. Bis in die 1990er Jahre säumten trostlose Ruinen von verlassenen Industriegebäuden die Ufer des Nervión. Die Arbeitslosigkeit war hoch. Traurig. Trostlos. Perspektivlos. Unterstützt von der baskischen Regierung nahmen die Stadtväter Geld in die Hand und ließen eine Metrolinie bauen um die Vororte, deren Kaufkraft und das Meer mit der Stadt verkehrstechnisch anzubinden. Die Bahnhöfe wurden von Sir Norman Foster entworfen. Den Bewohnern scheinen sie zu gefallen – die Eingänge werden liebevoll „Fosteritos“ genannt.

Bilbao liegt an einem Fluss. Flüsse brauchen Brücken damit Menschen schnell von der einen auf die andere Seite gelangen können. Ein simpler Übergang ist kostengünstig, ein interessanter Übergang animiert Menschen auf die andere Seite zu lustwandeln obwohl sie es gar nicht müssten.  Die Fußgängerbrücke Zubizuri ist eine solche Brücke. Die „weiße Brücke“ führt in einem Bogen über den Fluss. Die Lauffläche besteht aus Glas – wunderschön, aber bei Regen lebensgefährlich. So wurde der Boden mit einem Kunststoffteppich versehen. Entworfen hat sie der spanische Architekt Santiago Calatrava.

Eine Stadt die etwas auf sich hält, hat auch ein Kunstmuseum. Das mehr als einhundert Jahre alte Museo de Bellas Artes kann sich durchaus mit den Größen der Welt messen: Es enthält die zweitgrößte Kunstsammlung Spaniens mit mehr als 10.000 Kunstwerken. Vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst sind hier El Greco und Goya genauso wie Gauguin, Bacon und Giacometti vertreten. Doch von Touristen wird dieses Museum oft gar nicht wahrgenommen.

Touristen kommen wegen des Museo Guggenheim Bilbao. Es liegt malerisch direkt am Fluss mit silbern oder golden schimmernder Fassade. Die Architektur ist nicht zu beschreiben – man muss es gesehen haben. Wer mit dem Bus vom Flughafen kommt fährt durch das moderne rote Brückentor auf der Puente La Salve und blickt direkt auf das Museumsgebilde. 1997 wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Frank O. Gehry gebaut. Ohne moderne CAD-Technik wäre die Statik wohl kaum zu rechnen gewesen. Nirgendwo scheint es zwei gleiche Teile zu geben. Alles ist unregelmäßig. Genial. Spannend. Fantasievoll. Bauzeit vier Jahre, Kosten 100 Millionen Euro. Wie budgetiert. Das geht. Jährlich besuchen Tausende von Touristen aus Spanien und dem Rest der Welt dieses Museum mit seinen Sonderausstellungen. Ich bin auch dabei. Früh morgens, spät abends, bei Sonne, bei Regen.

Nicht nur im Museum wird hochkarätige Kunst ausgestellt, vor dem Museum steht das übergroße Blumenhündchen „Puppy“ von Jeff Koons und hinter dem Gebäude wartet „Maman“ von Louise Bourgeois auf fotowütige Besucher. Immer wieder gern fotografiert werden die spiegelnden Kugeln von Anish Kapoor (Tall tree and the eye).  Hin und wieder wird die schwungvolle Brücke vor dem Museum eingenebelt – auch das ist Kunst von Fujiko Nakaya.

Wer sich die Zeit nimmt und am Nervión entlang flaniert, findet neben alten und modernen Brücken Skulpturen aller Couleur von namhaften Künstlern: Chillida, Lüpertz, Dalí, …

Wer noch mehr Superlative möchte geht durch ein Fosterito, nimmt die Linie 1 bis Areetas und steht vor der Puente de Vizcaya – der letzten Brücke über den Nervión bevor dieser ins Meer mündet. Es ist keine Brücke im eigentlichen Sinn. Es ist eine Schwebefähre. Eingeweiht 1893 und damit die älteste noch amtierende Schwebefähre der Welt. Noch heute befördert sie Menschen und Vehikel in 90 Sekunden ans andere Ufer. Ach ja, UNESCO Weltkulturerbe ist die Brücke ebenfalls. 45 Meter sind die Stahlfachwerktürme hoch und mit einem 160 m langen horizontalen Traggerüst verbunden. An diesem Traggerüst hängt die schwingende Barke, die bis zu sechs Autos transportiert, das Stück für 1,40 Euro. Fußgänger fahren für 0,40 Euro mit. Wer über’s Wasser laufen möchte – die Puente de Vizcaya macht’s möglich. Mit dem Aufzug geht es den Träger hinauf und dann über einen Holzbohlenweg oberhalb des Fährenantriebs nach drüben. Wer noch mehr möchte springt mit dem Kopf zuerst am Gummiband hinunter. Unter Aufsicht versteht sich. Die beste Sicht auf die Brücke hat der Besucher vom Wasser aus, wenn er sich mit dem hölzernen Fährboot übersetzen lässt.

Für die schönste Nebensache der Welt hält Bilbao das Stadion San Mamés bereit. Mehr als 50.000 Zuschauer fasst der 2013 fertiggestellte Bau. Es ist das Heimatstadion von Athletic Bilbao. Um in diesem Verein spielen zu dürfen, muss man Baske sein oder zumindest als Jugendlicher in einer baskischen Mannschaft ausgebildet worden sein. Trotz dieser Einschränkung spielt Athletic Bilbao in der ersten Liga. 2015 holten sie den Supercup gegen den FC Barcelona.

Last but not least, übernachtet habe ich im Hotel Zubialde: Ruhig gelegen und doch zentral in der Neustadt, breite Betten, riesiges Frühstücksbuffet und fünfzehn Fußminuten zum Guggenheim Museum. Wer in die Altstadt möchte, nimmt die Metro oder die Straßenbahn. Es ist nicht billig, aber seinen Preis wert. Für Nachahmer: Hotel Zubialde